Alufelge nach Bordsteinschaden selbst reparieren..
So ein Mist, da ist mir doch den einen Tag beim Fahren in einer engeren Strasse ein echt blödes Missgeschick passiert. Als mir in der recht engen Strasse ein Motorradfahrer entgegen kam, wollte ich ein wenig mehr Platz machen und weiter rechts fahren und berührte dabei eine Bordsteinkannte, die durch eine Baumwurzel ein erhebliches Stück in die Fahrban gedrückt wurde und somit kantig in die Fahrbahn ragte. Echt übel...
Alufelgen selbst wieder aufarbeiten I
Ich möchte Euch einfach mal aufzeigen oder dokumentieren, dass man so einen Schaden auch gut mal selbst beheben kann, ohne immer eine Werkstatt für teures Geld aufzusuchen. Ein paar Dinge hat der Hobby-Handwerker sicherlich im Keller. Das eine oder andere kauft Ihr Euch im Baumarkt Eures Vertrauens.
Wir benötigen für eine vernünftige Felgenreparatur:
- Eine Drahtbürste,
- ALU-Spachtelmasse mit Härter,
- 1-2 Bögen (Gewebe-)Handschleifpapier 240er Körnung,
- 1-2 Bögen (Gewebe-)Handschleifpapier 600er Körnung,
- 1-2 Bögen (Gewebe-)Handschleifpapier 1500er Körnung,
- Etwas zum Reinigen, etwa Nitroverdünnung,
- 1 Sprühdose "Füller/Filler",
- 1 Sprühdose vom Wunschfarbton "Felgenlack/Felgensilber",
- 1 Sprühdose "Klarlack",
- Klebe-/Kreppband,
- Jede Menge Zeitungspapier.
Zu den Materialien: Es kann sein, dass 2 Dosen der Lacke benötigt werden. Dies kommt vor allem auf die Felgengröße, ob alle Felgen gemacht werden müssen und natürlich die verwendete Lackqualität an. Zum Schleifpapier: Optimal ist es im Prinzip, wenn Ihr als letzten Schliff ein Papier mit 1000/1500er Körnung benutzt. Es kommt sehr darauf an, wie "kaputt" Eure Felgen bereits sind. In meinem Fall sah die Felge schon recht schlimm aus, daher musste ich mit einem relativ groben Schmirgelpapier beginnen, dann mit einem mittleren Papier hinterherschmirgeln.
Alufelgen selber wieder aufarbeiten II
Als Erstes sollten die alten Felgen natürlich schön sauber gemacht werden, damit die Schäden unter dem ganzen Schmutz und Bremsstaub zum Vorschein treten und gezielt entfernt werden können. Ich empfehle zum Säubern der Felgen einen speziellen Felgenreiniger, das spart Zeit und Arbeit. Mit Wasser und Spüli kommt man da wirklich nur schwer voran. Oder die gekaufte Nitroverdünnung, die eignet sich auch zum reinigen. Bordsteinschrammen, tiefe Steinschläge und Aluminiumoxid, so etwas lässt sich mit der Drahtbürste gut säubern. Falls nicht, könnt Ihr für diesen Zweck auch die Bohrmaschine mit einem Schleifkopf zur Hand nehmen.
Bei tiefen Kratzern trägt der Felgendoktor nach dem Abschmirgeln neues Material auf die Felge auf und modelliert es. Das könnt Ihr auch gut selber machen, denn ein bissl Geschicklichkeit um die tiefen Kratzer auszubessern, hat sicher jeder. Nur Mut, die Felge kann ja nun nicht mehr schlimmer aussehen als vorher! Zudem beeinflusst das Ganze die Statik der Felge nicht nennenswert. Für diejenigen, die wie ich eben nicht partout zum Felgendoktor gehen möchten, empfiehlt sich Spritzspachtel aus dem Baummarkt oder eben bei sehr tiefen Kratzern die ALU-Spachtelmasse. Den Spritzspachtel ganz einfach vor dem Grundieren aufsprühen, trocknen lassen und abschmirgeln. Genauso bei der ALU-Spachtelmasse, nach Anweisung der Packungsbeilage Menge und Härter mischen/anrühren, auftragen/modellieren und trocknen lassen. Beides legt sich in die tiefen Rillen, während der Rest wieder abgeschmirgelt wird. Den Vorgang so oft wiederholen, bis keine Rillen/Stellen mehr zu sehen sind.
Los geht's!
Mit dem groben Schleifpapier bearbeiten wir die Bordsteinschrammen und Macken so lange, bis sie nicht mehr sichtbar sind. Immer darauf achten, dass man nicht zu lange auf einer Stelle schmirgelt, das verursacht hässliche Dellen. Lieber mit dem Schleifpapier etwas über die Macke hinaus schwingen, so entstehen flüssige Übergänge. Hebt sich der alte Felgenlack wegen des darunter liegenden Oxids bereits ab, schleifen wir außerdem großzügig um die sichtbaren Stellen herum, sodass diese hässlichen Stellen nach kurzer Zeit nicht wieder durch den neuen Lack scheinen. Kleiner Tipp: Nehmt sogenanntes "Gewebe-Schmirgelpapier". Ich schleife, wenn möglich, nass. Dadurch "verstopft" das Schmierpapier nicht und wir haben bei regelmäßigem Auswaschen eine konstante Körnung und den entsprechenden Schmirgeleffekt. Hier bietet Gewebepapier den Vorteil, dass es sich nach Kontakt mit Feuchtigkeit nicht zerlegt und im Ganzen schön stabil bleibt.
Wenn die Stellen abgeschliffen und gesäubert wurden, wird nun die ALU-Spachtelmasse aufgetragen. Nehmt Euch am besten einen Eis-Stiel zum Auftragen und glatt streichen der Spachtelmasse. Nach ungefähr 20 Minuten ist die Spachtelmasse hart und kann nun mit dem 240er Schleifpapier glatt geschliffen werden. Diesen Vorgang solange wiederholen, bis alle Kratzer verschwunden sind. UND immer schön schleifen und mit der Nitroverdünnung reinigen! Zum Abschluss: Die Felge mit der Nitroverdünnung gut reinigen, damit man das Ergebnis gut sehen kann und es nicht vom Schleifstaub verdeckt wird. Die Nitroverdünnung dazu auf einen staubfreien Lappen geben und gründlich die Oberfläche der Felge abwischen.
Die Felgen sind gut abgeschmirgelt und gereinigt? Super, dann hat bis hierher alles geklappt! Nun muss die Felge aber noch entfettet werden, damit der Lack später darauf hält. In meinem Beispiel habe ich das Ganze mit dem Nitroverdünner gemacht. In meinem Artikel behalten wir den Reifen auf der Felge, denn nicht jeder hat die Möglichkeit, "mal eben" seine Reifen abzudrücken und sie nach dem Lackieren wieder aufzuziehen. Lassen wir den Reifen auf der Felge, muss er natürlich abgeklebt werden, um nicht mitlackiert zu werden. Hierzu benötigen wir das Klebe-/Kreppband. Wie genau das Ganze aussehen sollte, seht ihr auf den Fotos.
Das Grundieren der Felgen ist aus folgenden Gründen wichtig:
- Grundierung schafft einen festsitzenden Untergrund für den Farbton,
- Grundierung schafft einen glatten Untergrund für den Farbton,
- Grundierung deckt und beseitig Farbunterschiede im Werkstück, die später durchscheinen könnten.
Die Felgen sollten nun entfettet und trocken am Lackierort liegen.
Zum Lackierort: Optimal ist eine Lackierhalle, aber ich gehe davon aus, diese steht nur den wenigsten zur Verfügung. Alternativ, ein kleiner Schuppen/eine Garage, bei dem/der Ihr die Wände und den Boden mit der Gieskanne nass machen könnt, damit so wenig Staub wie möglich herumfliegt. Ich persönlich bin ganz einfach in die Küche gegangen. Es flogen keine größeren Teilchen durch die Luft.
Für sämtliche folgende Lackierschritte gilt: Wie es auf den Anweisungen der Spraydose steht, die Dose mindestens 2 Minuten vom hörbaren Anschlag der Kugel im Inneren der Spraydose schütteln. Die Außentemperatur sollte 20-25°C betragen bei einer möglichst geringen Luftfeuchtigkeit.
Nun das Werkstück im Kreuzgang lackieren. Der optimale Abstand zwischen Sprühkopf und Werkstück beträgt 20-30cm. Geht nicht näher heran, das kann schnell Läufer und Nasen verursachen. Eine erste, dünne Schicht grundierung auftragen, 15-20 Minuten antrocknen lassen und, wenn nötig, eine zweite Schicht Grundierung auftragen, bis die Grundierung schön deckend ist. Spätestens jetzt fallen sämtliche Unebenheiten und Unachtsamkeiten bei der Vorarbeit auf. Macken werden deutlich sichtbar, da der Rest der Felge nun sehr glatt wirkt. Ist dem so, lasst die Grundierung bis zum nächsten Tag durchtrocknen, schleift die üblen Stellen mit dem 600er Schmirgelpapier nach und grundiert noch einmal. So sollten die Unebenheiten verschwinden. Ist alles so, wie Ihr es euch vorstellt, dann lasst die Grundierung über Nacht trocknen und weiter geht es am nächsten Morgen.
Den Farbton auftragen: Das Ganze verhält sich genauso wie das Grundieren. Dünne Schichten, nicht zu nah an das Werkstück gelangen, Kreuzgang und Temperaturen beachten. Der Farbton sollte nach dem Lackieren die gesamte Grundierung an allen Ecken, Kanten und Spalten bedecken. Sollte dies nicht der Fall sein, sprüht nicht sofort nach, lasst das Ganze wieder für ca. 20 Minuten kurz antrocknen und tragt erst dann eine nächste Schicht Lack auf. Solltet Ihr dennoch mal einen Läufer oder eine Nase verursachen, kein Problem. Werkstück durchtrocknen lassen und mit dem 600er Papier den Lackfehler herunterschmirgeln. Danach eine neue dünne Schicht Lack darüber und man sollte die kleine Unachtsamkeit nicht mehr sehen können. Und jetzt schnell, denn der Klarlack sollte innerhalb der nächsten 20 Minuten drauf sein!
Der Klarlack: Kommen wir zur "Königsdisziplin" unserer Felgenreparatur, dem Lackieren mit Klarlack. Ihr habt gerade richtig gelesen, keine Zeit verstreichen lassen, denn der Klarlack wird "nass in nass" lackiert. Dazu sollte der Farbton nur ca. 15-20 Minuten angetrocknet sein, dann sofort mit Klarlack überziehen. Das sorgt für optimale Haftfestigkeit. Der Klarlack hat folgende Gründe:
- Er verleiht der Felge den entgültigen Glanz,
- Er schützt von Steinschlägen,
- Er versiegelt den Lack,
- Durch seine glattere Oberfläche gegenüber Farblacken haftet Schmutz schlechter an ihm.
Klarlack hat die Eigenschaft, gegenüber Farblacken recht flüssig zu sein. Durch seine geringere Viskosität ist es mit ihm leichter, unerwünschte Nasen und Läufer zu erzeugen. Hinzu kommt: Klarlack wird nicht in "dünnen Schichten" wie Farbe lackiert, das heißt Klarlack sollte schon beim Lackieren eine verschlossene, deckende Schicht besitzen. Ich würde sagen, wenn man den Abstand zum Sprühkopf einhält, kann man auch hier nicht viel falsch machen. Tastet euch langsam an die "deckende Schicht" heran und nach ein paar ersten Versuchen geht auch das Klarlack-Lackieren mit etwas Geschick ganz leicht von der Hand. Bei Bedarf kann man das Ganze mit einer zweiten Schicht Klarlack noch einmal überziehen, dazwischen jedoch die vorige Schicht 15-20 Minuten antrocknen lassen.
So, fertig. Nun die Felgen bei warmer Umgebungsluft 12 Stunden trocknen lassen.
Alles geschafft? Super! Jetzt sehen die Felgen doch wieder spitzenmäßig aus, oder?!? Ein paar Dinge gibt es noch zu beachten:
- Obwohl die Felge vermeintlich durchgetrocknet ist, vermeidet es, sie in den nächsten zwei Wochen mit aggresiven Reinigern zu putzen. Der Lack kann möglicherweise ungewollte Reaktionen zeigen.
- Waschanlagen sollte genauso für die nächsten zwei Wochen nicht befahren werden, da die Felgenbürsten doch ganz schön "grob und unvorsichtig" sind. ;-)
- Nach ca. einem Monat könnte man die Felgen gut und gerne mal polieren. So werden die letzten Unebenheiten vom Lackieren ausgemerzt und die Felgen sehen noch ein Stück besser aus.
Alufelgen selbst wieder aufarbeiten III
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Hier habe ich eine kleine Foto-Dokumentation zusammen gestellt. Ein paar Fotos fehlen noch, nämlich das Endergebnis, diese werden selbstverständlich auch noch eingestellt. |










